Nächste Revolutionswerkstatt (III) in Vorbereitung

Revolution in Bayern

Die Revolution geht weiter!

Auch, wenn vor 100 Jahren … Herbst ’22
… aber das wisst ihr ja, wie sehr die Parallelen und Unterschiede dazu sind:

– Die Kirchen haben keine solche Macht mehr wie damals auf die An-Alphabeten,
aber die Schulen noch immer in katastrophalen Zuständen … und rechte Sekten im Vormarsch
– Kriegspropaganda allerorten und „unschuldige Zensur“ zu den alten Gasgeschäften

Auch, wenn vor 100 Jahren …

Restaurants finden keine Kellner, Flughäfen keine Leute, die Gepäck verladen oder kontrollieren. Dabei gibt es Millionen Arbeitslose. Ich werfe denen nicht vor, dass sie nicht arbeiten wollen, sondern dem Staat eine Politik, die es vernünftig erscheinen lässt, NICHT zu arbeiten.“ Dr. Dr. Rainer Zitelmann @RZitelmann auf twitter

Wenn anständige Löhne zum Privileg werden, hat die Gewerkschaft der Arbeitsplatz-Besitzenden und hochbezahlten Buffet-Funktionäre einschließlich der verlogenen „Sozialpartnerschaft“ der Industriellen gegen die Arbeiter-Räte durch milde Betriebsräte völlig versagt! https://de.wikipedia.org/wiki/Stinnes-Legien-Abkommen

Einladung zum 21. Juli 16-18h in ein kühles Büro

Einladung zum 21. Juli 16-18h in der DAA Denisstraße 1b im Innenhof grade rein

kühl klimatisiertes ebenerdiges Großraumbüro mit genug Abstand, Kaffee, Wasser nach Belieben …

… und falls ihr einen alten Laptop abzugeben,den ich zuverlässig lösche und mit Linux / Ubuntu an bedürftige Schüler*innen abgebe;
… Kleiderschrank oder Haushalts- und Küchenkram auszuräumen habt: Bringt mit! (Was Wohnungslose brauchen könnten, falls sie eine Wohnung bekommen, etwa 5 von 60 im Jahr …)
Basis 3 in der DAA 089 – 544 302 – 430 ist mein Arbeitsplatz in 80335 München, Denisstr. 1b Innenhof- mehr auf basisfinden.wordpress.com

  • Berichte aus den verschiedenen Entwicklungen …
  • Termine Herbst-Winter 2022
  • Der Weg der Hakenkreuzler von der Thulegesellschaft zur NSDAP …

Nicht von den derzeit reichlichen Wannen der Bundespolizei am Eck des Rundfunkplatz erschrecken, die tun nix, da geht ihr lächelnd vorbei bis zu den Glasfassaden, dort durch die Einfahrt in den Innenhof

Gustav Landauer, Hedwig Lachmann und Erich Mühsam

Zentralrat der Republik Bayern
Freiheit 1918 von Prekär on Stage

München hätte grad gut zu feiern, aber wo? In Schwabing am Erich-Mühsam-Platz und Gustav Landauer in der Amalienstraße, wo es immerhin eine Tafel gibt … aber zu dem anarchistischen Schriftsteller Gustav Landauer hat München immer noch kein gutes Verhältnis, außer auf Friedhöfen:

Montags Erich Mühsam: *6.4.1878

erich und zenzl mühsam

Die Räterepubliken

7. April 1919 Nationalfeiertag:

Die erste Räterepublik

13.4.1919 Palmsonntagsputsch angestiftet von der Thule-Gesellschaft, unterstützt von der MSPD-Regierung in Bamberg, aber nieder geschlagen von den Arbeiter- Bauern- und Soldatenräten in München, Erich Mühsam wurde von den Putschisten frühmorgens festgenommen und nach Ebrach in den Knast verschleppt,

Zenzl Mühsam konnte andere Räte telefonisch warnen, so dass die meisten der Verhaftung entgingen.

Gustav Landauer *7.4.1870

Eisner und Landauer-Grab

war von Kurt Eisner nach München gerufen worden, während Eisners Ermordung am 21.2.1919 war er noch mal in Krumbach, wo seine zweite Frau am 21.2.1918 Hedwig Lachmann, an Lungenentzündung gestorben war.

„Wir warten nicht auf die Revolution, damit dann der Sozialismus beginne,

sondern wir fangen an, den Sozialismus zur Wirklichkeit zu machen,

damit dadurch der große Umschwung komme.“

Gustav Landauer in Friedrichahagen

Der Beauftragte für Volkskultur in der Räterepublik Baiern hatte nur wenige Tage, um seine Ideen anzuwenden, denn die Feinde der Republik waren stark und bewaffnet, hatten die Presse und die nachfolgenden Faschisten, das Andenken auszulöschen.

Sie hatten auch das Denkmal zerstört, das am Waldfriedhof die Urnen von Eisner und Landauer enthielt, und hatte die Urnen mit Rechnung an die jüdische Gemeinde geschickt.

Die Berliner Gustav Landauer Initiative schreibt

landauer-denkmal im wald-Friedhof

der 150. Geburtstag Gustav Landauers am 7. April wird, wie so vieles dieser Tage, von der Corona-Pandemie überschattet, gerade so, als forderte die „Spanischen Grippe“ (1918-19120) ihr Recht über das kollektive Gedächtnis. Auch bei uns liegen alle Veranstaltungen auf Eis. So viel wie möglich wollen wir nachholen. Auch der Geburtstag soll nachgefeiert werden, in der geplanten Form mit Texten und Konzert.

„… um die Revolutionierung der Geister ist es uns vor allem zu tun.“

die andere wohngemeinschaft Gruppe der Hufeisensiedlung

Ursprüngliche Ankündigung der Feier

Dennoch hoffen wir, dass dieser Jahrestag allenthalben genutzt wird, um auf Landauer hinzuweisen. Und tatsächlich. Es gibt einiges zu berichten, so etwa zwei biographische Neuerscheinungen über Landauer; und anstatt der gewohnten Veranstaltungsankündigungen geben wir einen Ausflugstipp in der Umgebung Berlins am Ende dieses Newsletters in Form eines kleinen Textes von Erik Natter.

Gerüchteweise wissen wir, dass in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur jeweils mit einem Artikel zum 150. Geburtstag Landauers zu rechnen ist. Gegenüber dem Geburtshaus in Karlsruhe (heute Kaiserstr. 183) ist eine kleine Aktion geplant.

Falls ihr in diesen Tagen von weiteren gratulatorischen Veröffentlichungen oder anderen Erwähnenswürdigkeiten Wind bekommt, so lasst es uns bitte über unsere Kontakt-Adresse wissen! Eine Auslese verbreiten wir dann über den nächsten Newsletter weiter.

landauer buchtitel beginnen

Dies gilt auch für die Zukunft: Neuigkeiten, die Zwecke der „Gustav Landauer Initiative“ im Allgemeinen und Gustav Landauer im Besonderen betreffend, nehmen wir auf diesem Weg dankend entgegen.

Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund! Gustav Landauer Initiative (GLI) Newsletter weiterleiten

Wir freuen uns, wenn diese Informationen auch an Freunde weitergeleitet werden.

Wie Gustav Landauer zum Anarchisten wurde

Landauer-Stele-Seite

archive.org/details/Christoph_Knueppel_Wie_Gustav_Landauer_zum_Anarchisten_wurde

Wilfried Steiner: Gustav Landauer oder Die gestohlene Zeit, Essay bei Limbus Preziosen http://limbusverlag.at

Ret Marut – Wo ist der Ziegelbrenner?

Die Saat des demokratischen und freiheitlichen Denkens, die Leute wie der Anarchist, Barrikadenkämpfer und Diskussionspartner von Karl Marx, Michail Bakunin, der Literat und Übersetzer Gustav Landauer und der Autor und Dichter Erich Mühsam und viele ihrer Freund*e gelegt und bei der Revolution verstreut haben, wirkte weiter: Bei Ret Marut und bei Oskar Maria Graf:

Zensur in der Rätezeit

nachdem die Hetze der bürgerlichen Presse den Mord an Kurt Eisner ausgelöst hatte, war eine Besetzung der Redaktionen, wie sie Eisner dem Erich Mühsam vereitelt hatte, nicht mehr drin.

Am 7. April 1919 nahm einer, der die Zensur durch seinen schlauen Umgang durch seine Zeitschrift Ziegelbrenner (die er als Maurer-Fachblatt vorgestellt haben soll) kennen gelernt hatte, Ret Marut, die Aufgabe. Später wurde er als B.Traven mit Büchern wie dem Totenschiff und dem Schatz der Sierra Madre und vielen weiteren Büchern bekannt, und wirkte an Filmen mit.

Viele Parallelen

„Auch Marut war in der (Bühnen-)Gewerkschaft aktiv und als radikal bekannt. Zunächst tingelte Marut – nach einem Engagement im bayerischen Ansbach – mit verschiedenen Theaterengagements durch die Ostprovinzen des Deutschen Reiches: Suhl / Ohrdruf in Thür., Crimmitschau in Sachsen, die Provinz Posen (Posznan) und erlangte eine Anstellung am Stadttheater Danzig.

Dort kam seine Tochter Irene Zielke zur Welt, aber die Beziehung zur Kollegin und Mutter Elfriede scheiterte. Ab spätestens 1912 erarbeitete Marut sich bereits eine bescheidene Präsenz als Schriftsteller, neben seinen Verpflichtungen, nun am Schauspielhaus Düsseldorf. Ab 1915 sehen wir ihn als Autor in München und mitten im Krieg, ab 1917 als Herausgeber der frechen anarchistischen Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“.

„Es gibt Hinweise, dass Marut und Landauer es waren, die am 8. April (1919) den Plan zur Sozialisierung der bürgerlichen Presse verabschiedet haben.“ Wilfried Steiner S. 42

… „Absolut sicher ist jedenfalls, dass eben dieser Ret Marut die erste Manifestation des späteren B. TRAVEN war, des weltberühmten Schriftstellers, der ab 1925 Star-Autor der 1924 gegründeten, gewerkschaftseigenen Büchergilde Gutenberg wurde. Erich Mühsam hatte eine Postkarte in den Knast bekommen, die er wohl nicht ganz verstand, weil er später schrieb: „Wo ist der Ziegelbrenner“?

„Nach fünf Jahren Haft im Gefängnis Niederschönenfeld wurde Mühsam amnestiert. Kurz vor seiner Entlassung erreichte ihn eine mysteriöse Postkarte. Ihr Wortlaut: In wenigen Stunden besteige ich ein Schiff und habe damit aufgehört, für Europa zu existieren. R. Marut“ Wilfried Steiner S. 53


“… Folgerichtig Beteiligter der Münchener Räterepublik 1918/19 u.a. als Sozialisierungsbeauftragter der Presse, gelang ihm am 2. Mai 1919 knapp die Flucht, am selben Tag als Gustav Landauer ermordet wird.

Als Route werden Wien, evtl. Budapest und Zürich angenommen, bevor er mit seiner Freundin Irene Mermet in Berlin und Köln auftauchte. Ab tauchte er ganz 1923, erst nach London und dann, 1924, nach Tampico in Mexico. Hier beginnt sein kometenhafter Aufstieg als sozial hoch engagierter Autor, der für die arbeitende Bevölkerung und die Indios schreibt.

Wahrscheinlich haben ihn neben der „Gruppe progressiver Rheinischer Künstler“ um F.W. Seiwert Anarchosyndikalist*inn*en bei Flucht und Weiterkommen unterstützt. Rudolf Rocker (Doyen der FAUD, der vor 1914 lange in London-Westend lebte) und andere in Berlin und die damals starke FAUD im Rheinland.

In seiner Zeitschrift FANAL schrieb Erich Mühsam später seinen Suchaufruf an Marut – der Freund und Genosse werde gebraucht. Keine Antwort. Aber Traven soll Rocker, der mit Mühsam seine Identität kannte, 1945 in NY-Brooklin besucht haben.

Der Anarchosyndikalist Augustin Souchy verhalf Traven in der Nazizeit zu seinem Verleger in Schweden, suchte in seinem mexikanischen Exil B.Traven in Acapulco aber vergeblich auf.

Ob Ret Marut nach 1919 jemals wieder in Thüringen war, bleibt Geheimnis – es ist aber davon auszugehen, dass er sich 1908 in seiner Zeit in Ohrdruf auch das berühmte Meininger Theater angesehen hat. „Der Ziegelbrenner“ erschien noch bis 1921 aus dem Untergrund. Kam der auch bis Meiningen? Wir wissen es nicht.“ Meint Ralf G. Landmesser, Vorsitzender der IBTG


Literatur:

Ret Marut und Erich Mühsam als wichtigste Freunde … von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer

http://raete-muenchen.de/nach-der-revolut…oskar-maria-graf

Das Wintermärchen

Munchens Erwachen

Ralf Höller: „Das Wintermärchen, Schriftsteller erzählen die Bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919“, Berlin 2017, Edition TIAMAT; Verlag Klaus Bittermann

Höller bringt uns in seinem Buch zahlreiche überlieferte Zitate von wichtigen schreibenden Zeit­genossen der Revolution nahe; von denen, die mitgewirkt haben ebenso, wie von solchen, die ledig­lich Zuschauer waren. Wer nun aber meint, das hat doch Volker Weidermann mit seinen hochgelobten „Träumern“ auch schon geleistet, der irrt!
Zum einen: Höller erkennt die Redlichkeit und Ernsthaftigkeit an, mit der die Revolutionäre in München zu Werke gingen – ganz anders als Weidermann, der ihre Aktivitäten nicht nur einmal mit alber­nen Zuschreibungen ins Lächerliche zieht. Zum anderen und vor allem aber: Höller hat sorg­fältig gearbeitet und seine Zitate durchweg mit Fußnoten versehen, die in den Anmerkungen belegt sind. Ein ausführliches Namensregister gestattet nachzuschlagen, was ein Erhard Auer, ein Kurt Eisner oder ein Erich Mühsam und andere getan oder gesagt (oder unterlassen) haben. Allerdings erlaubt dieses Register auch festzustellen, was im „Wintermärchen“ zu kurz kommt (s. u.).
Höller lässt richtigerweise außer den maßgeblichen Akteuren auch einige jener Herrschaften zu Wort kommen, die der Revolution indifferent, misstrauisch oder ablehnend gegenüber standen. Das Verhalten, oder besser das Versagen der meisten Intellektuellen wird exemplarisch an Thomas Mann, Josef Hofmiller oder Viktor Klemperer gezeigt. So­ wird deutlich, woran die Revolu­tion letztlich auch gescheitert ist.
Dabei schont Höller den schon bei Kriegsbeginn 1914 politisch irrlichternden Thomas Mann noch, wenn er dessen Tage­bucheintrag vom 7. November 1918 „unterschlägt“. Da beleidigt Mann die Demons­tran­ten auf der The­resien­wiese als „Al­bernes Pack“, weil sie „Nieder mit der Dynastie!“ und „Republik!“ geru­fen ha­ben. Höller würdigt sogar (neben Rilkes „Einen Augen­blick hoff­te man“) einen an­de­ren Tage­buch­eintrag Thomas Manns als Motto für sein Buch: „Ich bin im­stande, auf die Straße zu lau­fen und zu schreien ‘Nieder mit der westlichen Lügen­demo­kratie! Hoch Deutschland und Ruß­land! Hoch der Kommunismus!’“ (Tagebuch, 24. März 1919). Abge­se­hen davon, dass ein auf der Straße schrei­en­der Thomas Mann absolut nicht vorstellbar ist, zeigt Höller, wie rasch Mann wie­der auf dem Tep­pich seines großbürgerlichen „Künstlertums“ lan­de­te; denn gegen das Todes­urteil für den Kom­mu­nisten Eugen Levinė hat Thomas Mann „logisch-mensch­lich nichts“ einzu­wenden (Tagebuch, 5. Juni 1919).
Mit dem Titel „Wintermärchen“ erinnert der Autor an Kurt Eisners Ansprache bei der Revolutions­feier im Münchner Nationaltheater am 17. November 1918, als Eisner ausrief: „Freunde! Was wir in diesen Tagen erlebt, ist ein Märchen, das Wirklichkeit geworden.“
Höller lässt aber nicht nur die Schriftsteller erzählen; er erzählt auch selber. Und er kann gut erzäh­len! Chronologisch vorgehend und die wechselnde Perspektive der jeweiligen Zeit­zeugen darstel­lend, hat er ein angenehm kurzweilig zu lesendes Buch geschrieben, das die Sympathie des Autors für die Protagonisten der Revolution erkennen lässt.
Also alles gut? Leider nicht ganz; denn nach der Lektüre fragt man sich: was ist eigent­lich mit den Protagonistinnen? Hat Höller auch die an der Revolution beteiligten Frauen angemes­sen gewür­digt? Oder hat man da etwas überlesen? Das verdienstvolle Register wird befragt und siehe da: die Damen kommen deutlich zu kurz! Thekla Egl, Lida Gustava Heymann, Hedwig Kämpfer, Zenzl Mühsam oder Toni Pfülf: keine einzige findet sich im Register. Anita Augspurg gönnt Höller lediglich die knappe Bemerkung, dass sie dem „Provisorischen Nationalrat“ angehörte. Dagegen erfährt man allerlei zu Lou Andreas-Salomė (als Freundin Rilkes gleich sechs mal genannt) oder Hertha Koenig (als dessen Förderin sowie Gönnerin Oskar Maria Grafs gar dutzendfach). Auch zu Beobach­terinnen des Geschehens wie Annette Kolb oder Ricarda Huch gibt es etliche Fundstellen.
Hier dürfte Höller in einer wünschenswerten Neuauflage noch einiges ergänzen, und da er in seine Auflistung „Nicht zitierte Sekundärliteratur“ auch Christiane Sternsdorf-Haucks Monografie „Brot­mar­ken und Rote Fahnen“ aufgenommen hat, sei ihm hierzu diese Schrift ans Herz gelegt.
Gleichwohl mein Fazit: empfehlenswert!

Bernd Schröder

Munchens Erwachen
Münchens Erwachen am Morgen des 8.November 1918

Die Revolution der Besonnenen

münchen revolutionsgruppe 1918

Bernd Schröder

Joachim Käppner:
„1918, Aufstand für die Freiheit
Die Revolution der Besonnenen“
München 2017, Piper

Käppner, Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ und gelernter Historiker, schildert die Ereignisse der Revo­lu­tion von 1918/19 auf über 500 Seiten. Sein Schwerpunkt ist die Hauptstadt Berlin; die Vorgänge in München finden sich in einem eher knapp gehaltenen Unterkapitel gegen Ende des Buches. Das sollte jedoch interessierte bayerische Leser nicht von der Lektüre abhalten; letzlich haben ja vor allem die Aktionen der Mehrheitssozial­demo­kraten in Berlin auch der bayerischen Revolution das Genick gebrochen. Diese Aktionen benennt Käppner ebenso ausführlich wie deutlich und durchaus nicht ohne eine gewisse Sympathie für viele Protagonisten der Revolution.

Die Untertitel seines Buches mögen etwas irri­tie­ren; so als kön­ne der Autor sich nicht recht entscheiden, ob die Revolution womöglich doch nur ein Auf­stand war. Aber bekanntlich nehmen Verlage auf die Titelwahl erheblichen Einfluss, und so mag man derlei Unschärfe gelten lassen. Dass es sich ohne Frage um eine Revolution und nicht nur um einen Aufstand ge­han­delt hat, wird in Käppners Darstellung nirgends bezweifelt. Arbeiten zur Revolutionstheorie, z. B. von Hannah Arendt (Über die Revolution, 1963) oder Florian Grosser (The­o­rien der Revolution, 2013) finden sich in der Bibliografie von Käppners aus­führlichem Anmer­kungs­apparat zwar nicht, jedoch bietet die Auflistung der genutzten Quellen genügend Hinweise auf wei­ter­füh­rende Literatur (was Käppners “1918“ angenehm von Weidermanns kärglicher „Bücher­liste“ in dessen „Träumern“ unterscheidet).

Sowohl die Widmung für den Militärhistoriker Manfred Messerschmidt als auch der Klappentext „Der Krieg ist für die Reichen, die Armen zah­len mit Leichen“ sind zu loben. Allerdings bietet der Klappentext auch dies: „Für einige Wochen hatte die Revolutionsre­gie­rung, geführt von der SPD, die Gelegenheit dazu, die alten Eliten zu entmach­ten, und nutzte sie nur halb­herzig – kein Verrat, wie man ihr später vorwarf, aber eine epochale Fehleinschätzung.“

Kein Verrat? In Tolstois „Krieg und Frieden“ findet sich der auf den russischen General Kutusow gemünz­te Gedanke zur Niederlage der zaristischen Armee gegen Napoleon bei Austerlitz, dass hier, wenn nicht Verrat, so doch „katastrophale Dummheit“ im Spiel gewesen sei. Wer mit der SPD gnädig umgehen und von „Verrat“ nicht reden mag, sollte dann wenigstens von „katastrophaler Dumm­heit“ sprechen und nicht nur von „Fehlein­schät­zung“.

Ob allerdings die SPD solche Gnade verdient, darf man bezweifeln und der Rezensent hält es mit Alfred Döblin, der den zweiten Band seiner monumentalen Romantrilogie „November 1918“ (die ihm eigentlich sogar zur Tetralogie geraten ist) nicht ohne Grund „Verratenes Volk“ genannt hat.
Alles, was Käppner hierzu darlegt, lässt keinen anderen Schluss zu, als den, dass Ebert und die SPD „ihre“ Arbeiter­klasse verraten hat, wie schon zu Kriegsbeginn 1914 bei der Bewilligung der Kriegskredite. Insbe­son­dere ist hier die ausführliche Schilderung der gehei­men Telefonate zu nennen, die der SPD-Vorsitzende und frisch gebackene Reichs­kanzler Fried­rich Ebert mit Ludendorffs Nachfolger Wilhelm Groener von der Obersten Heeresleitung geführt hat.

Käppner mag es also nicht so deut­lich sagen, warum auch immer, denn er wird ja wohl den in sei­ner Bibliografie genannten Sebastian Haffner gelesen haben, der in „Die Deutsche Revolution 1918/19“ von 1979 (Originalausgabe 1969) Ebert so zitiert: „Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unver­meidlich. Ich aber will sie nicht, ja, ich hasse sie wie die Sünde“. Na, wenn das kein Verrat war.

Um noch einige weitere Stichworte zu nennen: Käppner schildert, wie es die SPD – und damit die Reichsführung – fertig bringt, mit den Soldaten der Volksmarinedivision einen – in der Rückschau nach 100 Jahren lächerlich anmutenden – Streit darüber zu führen, ob die Matrosen ihre ausstehende Löhnung nur dann bekommen, wenn sie die Schlüssel zum Berliner Stadtschloss übergeben und den von ihnen festgehaltenen Stadtkommandanten Otto Wels freilassen. Oder ob die Matrosen erst ihr Geld bekommen (es ist kurz vor Weihnachten und alles ist knapp und teuer), und danach ihre Faustpfänder herausgeben.

Käppner beschreibt die Volksmarinedivision hier nicht etwa als wildgewordene, schießwütige Revoluzzer, sondern schildert ihr Verhalten als durchaus vernünftig und nachvollziehbar. Er macht deutlich, dass sie sich zu Recht als diejenigen sehen durften, die es überhaupt erst möglich gemacht hatten, Figuren wie Ebert und die beiden andern MSPDler im sechsköpfigen „Rat der Volksbeauftragten“ an die Macht zu bringen. Je weiter man liest, desto mehr fragt man sich, wie geschichtsvergessen eine Partei sein muss, die ihre Stiftung nach einem Friedrich Ebert benennt.

Zur Entscheidung der drei USPDler im Rat der Volksbeauftragten, sich aus diesem zentralen Gremium zurückzuziehen, nachdem sie zur Kenntnis nehmen mussten, dass Ebert, Landsberg und Scheidemann von der MSPD hinter ihrem Rücken mit Alleingängen agieren und mit den „Todfeinden der Revolution“ (Sebastian Haffner) paktieren, macht Käppner deutlich, in welchem Dilemma die USPD sich befand. Denn zugleich mit ihrem Ausscheiden begaben sich Barth, Dittmann und Haase ihrer letzten noch verbliebenen Möglichkeiten, im Sinne der Revolution und der Interessen der Arbeiterklasse auf den Lauf der Dinge Einfluss zu nehmen.

Bemerkenswert ist Käppners Benen­nung eines anderen Problems: Im Zusammenhang mit der Sozialisierungsfrage sei zu bedenken gewesen, ob es Sinn macht, die Schwerindustrie etc. zu sozialisieren, wenn doch abzusehen ist, dass die alliierten Sieger im Zuge der Reparationen sofort auf die dann staatlichen Betriebe zugreifen würden, was sie bei privaten Unternehmen nicht täten.

Doch nun zu den Kritikpunkten: Käppner und sein Lektorat sind ab und an sehr leicht­sin­nig.

So finden sich nicht nur etliche kleine und harmlose Fehler, sondern auch ein paar krasse Fehlleistungen: angefangen mit der „Promenaden­stra­ße“ (Käppner), die auch damals (ebenso wie noch immer der Promenadeplatz) Promenadestraße hieß. (Übrigens: statt deren heutiger Benen­nung „Kardi­nal-Faulhaber-Straße“ – nach dem unsäglichen Feind der Demo­kratie und einem der geistigen Wegbereiter dessen, was folgen sollte – wäre es höchs­te Zeit, diese Straße nach dem dort ermordeten Kurt Eisner oder nach seiner Mitstreiterin bei den Streiks im Januar 1918 Sarah Sonja Lerch zu benennen!)

Des Weiteren: Den 12. Januar (1919), an dem die Aufständischen im Berliner Polizeipräsidium aufgeben mussten, sollte man nicht auf den 12. November (1918) vorverlegen. Auch liegt Dachau keineswegs im Nordosten von München. Aber das sind alles eher Kleinig­keiten.

Sehr ärgerlich ist der Schnitzer, dass Eisners Sekretär Felix Fechenbach von Käppner mit dem Reichstagsabgeordneten Konstantin Fehrenbach verwechselt wird. Mit der Folge, dass Fechenbach in Käppners Buch überhaupt nicht vorkommt; selbst im Register findet man zu der die Ermordung Eisners betreffenden Passage dessen „Sekretär Fehrenbach“, derselbe Fehrenbach, der weiter vorn bereits in seiner richtigen Rolle eingeführt wurde. Auch sollte ein Historiker die Zeit vor den beiden Räterepubliken im April 1919  nicht eben­falls Räterepublik nennen und Eisner nicht als Führer der Räterepublik bezeichnen. Und zum „Interfraktio­nellen Ausschuss“, dem auch die MSPD, aber ausdrücklich nicht die USPD angehörte, zählt dann auf S. 142 plötz­lich doch – und falsch – die USPD. Und genau diese Seite fehlt dann beim Stichwort „Interfraktionel­ler Ausschuss“ im Register (wie auch einige andere Lücken im Register zu beanstanden sind).

Gleichwohl: die Lektüre kann empfohlen werden.

Bernd Schröder

Eine ärgerliche Erscheinung

wenn sich heutiges bürgerliches Feuilleton herablässt …

Volker Weidermann: „Träumer“, Köln 2017,
Verlag Kiepenheuer und Witsch

Vorab Hans Magnus Enzensbergers Lob auf der Umschlagrückseite: „Lustig, aufregend, viel Neues, tolle Recherche …“.

  • Lustig? Weidermann macht sich zwar über die Protagonisten der Revolution von 1918/19 lustig, allerdings wird’s Enzensberger wohl kaum so gemeint haben.
  • Aufregend? Man kann sich in der Tat über Weidermann aufregen, aber auch das hat Enzensberger gewiss nicht gemeint.
  • Viel Neues? Wirklich nicht!
  • Tolle Recherche? Lachhaft!

Neu mag das Buch für Leute sein, die Oskar Maria Grafs „Wir sind Gefangene“ ebenso wenig gelesen haben wie Tollers „Jugend in Deutschland“, neu auch für jene, welche die Hochnäseleien eines Thomas Mann oder eines Josef Hofmiller etc. nicht kennen, von sonstiger Literatur gar nicht zu reden.
Weidermann nun hat einiges gelesen. Und das verwurstet er zu seinen „Träumern“. Als „Konjunkturschreiber“ (Ulrich Dittmann) verzichtet er auf Anmerkungen und Register, lediglich eine nicht gerade ausführliche „Bücherliste“ gibt es. Alles ist irgendwo abgeschrieben und mit spöttelnder Prosa garniert: so finden wir den „bärtigen, guruhaften Landauer“, der bald zum „Oberträumer“ avanciert. Kurt Eisner ist „der andere bärtige Guru“ und die Revolutionsfeier im Münchner Nationaltheater wird als „Religiöser Festakt“ denunziert.
Kurt Eisners Gedicht „Gesang der Völker“ mag ja nicht zu den Höhepunkten Deutscher Lyrik gehören, aber „Zukunftslied des sozialistischen Märchenkönigs“??
Mit den Königen hat’s Weidermann überhaupt: so steigt Landauer „würdevoll wie ein neuer König aus seiner Equipage“ und bei Eisners Begräbnis wird der „erste König dieser neuen … Zeit zu Grabe getragen“. Ernst Toller betrachten seine Zeitgenossen laut Weidermann als „Zauberkönig“, zwei Seiten weiter als „Volkskönig“ und schließlich als „neuen König von Bayern“.
Wie mag den Revolutionären wohl zumute gewesen sein, als die von der SPD losgelassenen Weißen Truppen anrückten? Weidermann weiß es: „Angst, Panik, Hühnerhaufen“. Angst und Panik reichen ihm nicht, es muss auch noch der Hühnerhaufen sein.
Genug, mein Fazit lautet: Prädikat wertlos! Das Buch ist schlicht ärgerlich und man fragt sich, weshalb Weidermann sein Machwerk statt „Träumer“ nicht gleich „Spinner“ genannt hat. Für alle, die sich halbwegs mit den Geschehnissen von 1918/19 auskennen, ist die Lektüre vollkommen überflüssig. Und jene, die sich eher nicht besonders auskennen, sind z. B. mit einer anderen Neuerscheinung, nämlich „Das Wintermärchen“ von Ralf Höller (Berlin, 2017), besser bedient.
Abschließend ein Hinweis auf die ausführliche „Träumer“-Rezension von Michael Pilz: „Revolution als Reader’s Digest“ (http://literaturkritik.de, Archiv/Frühere Ausgaben/Januar 2018). Dort ist alles enthalten, was an Weidermanns Buch kritisiert gehört, auch wenn Thomas Anz in der selben Ausgabe der „Literaturkritik“ Pilz – vielleich nicht ganz zu Unrecht – entgegen hält, dass dessen Rezension nicht zwischen literarischer und wissenschaftlicher Geschichtsschreibung unterscheide.

Bernd Schröder

Die Reaktion schuf Faschismus

Schwurbelte da nicht neulich wieder ein CSU-Minister von der „Konservativen Revolution“? Die Medien-Leute meinten lieber mehrheitlich, die Kombination der Worte wäre unsinnig (wie so manches der Verlautbarung dieses Ministers), aber die Historiker*innen wiesen auf die unselige Tradition des Begriffes in die Zeit vor genau 100 Jahren hin:

Nach dem Nieder-Schießen der Münchner Räterepublik und etwa 1000 ihrer Unterstützenden Ende April 1919 bis Mai / Juni noch mit etlichen ungesetzlichen Todesurteilen durch eine reaktionäre Justiz, die auch weiterhin die rechten Morde lieber übersah, als Notwehr entschuldigte … hatten die ersten Hakenkreuzler schon die Macht auf den Straßen.

Es ging noch ohne Hitler, mit der Thule-Gesellschaft, aus dem Hotel Vier Jahreszeiten, die alten Militaristen hatten sich auch in der SPD eingenistet, nannten sich Freikorps und versteckten Waffen in Bauernhöfen, Kirchen und Klöstern: Der Versailler Vertrag hatte Entwaffnung versprochen … die alte „Ordnung“ aus Kirchen und hetzerischer alter Presse spielte „Normalität.

Konservative Revolution

nannten sie das dann, Fememorde nannten es die Anderen:

Feme-Morde sind ein alter Begriff für Rache an Verrätern, „die der Feme verfallen sind“. Die rechten Freikorps nach dem 1. Weltkrieg, die auch im Auftrag der SPD die Arbeiterräte und die Räteregierungen niederschießen sollten, machten auf eigene Faust weiter, nachdem die herrschende Justiz so milde mit ihnen umgegangen war:

https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Julius_Gumbel (Auszüge) Buchdenkmal-marktplatz-bonn-gumbel

„Insbesondere für die mehr und mehr vom nationalsozialistischen Studentenbund dominierte Studentenschaft war Gumbel ein rotes Tuch. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Gumbel Jude war. Zur Jahreswende 1930/31 kam es im Anschluss an seine Ernennung zum außerordentlichen Professor und der vom Kultusminister verfügten Auflösung des nationalsozialistischen Allgemeinen Studentenausschusses bei den „Gumbelkrawallen“ zu einer studentischen Besetzung und polizeilichen Räumung der Universität.

Revolutionäre Gegner

  • Alldeutsche Kolonialisten-Gewinnler und expansive Germanen, Missionare …
  • Judenfeindliche Rassisten wie Thule-Gesellschaft, Hammer-Bund …
  • Kirchen mit bayrischem König (katholisch)
  • und preußischem Kaiser (evangelisch) als regionales Oberhaupt,
  • hetzerische Hirtenbriefe und Kanzel-Predigten im Wahlkampf
  • Presse im privaten Besitz
  • Banken, Börsen, Unternehmer

Aufstieg der Faschisten

Vor dem Hitlerputsch gab es den ansteigenden Antisemitismus in München, schon ganz „gewöhnlich“ in der Universität und im Militär, wo kein „Deutscher“ den Befehlen eines „Juden“ zu gehorchen hatte (Erinnerungen von Philipp Loewenfeld, Verfasser der ersten Verfassung des Freistaat Bayern im Auftrag von Kurt Eisner, aus dem Leben des jüdischen Rechtsanwaltes und Honorarprofessor für Recht, der sich in der vor-Revolutionszeit schon in der SPD und zu sozialwissenschaftlichen Fragen organisierte) verschwoerung-im-vierjahreszeiten

Auch Hitler wollte am 8. November den Putsch nach rechts platzieren, gegen die „Novemberverbrecher“ der Weimarer Republik in Fortsetzung der November-Revolution, doch wurde der „Marsch auf Berlin“ schon am 9. Nov 23 um 12.45 am Odeonsplatz von der Polizei gestoppt, die Legende der „Blutfahne“ begann mit 20 Toten.

Sein Attentat auf Hitler und die gesamte „traditionell“ im Bürgerbräukeller am Rosenheimer Berg versammelten „Alten Kämpfer“ hätte ohne den Nebel klappen können und die Weltgeschichte verändert: Sie trafen sich dort zur Erinnerung an ihre erschossenen „Alten Kämpfer“ vom niedergeschlagenen Hitler-Putsch am 9. Nov. 1923.Georg_Elser-Briefmarke

Georg_Elser-Briefmarke

Viele Geschichten haben die Arbeit des Schreiners und Uhrwerk-Mechanikers als englischem Agenten etc. verdreht, wie das faschistische Praxis war, und die Folter und Prügel hatten ihn nicht klein bekommen: Als „Hitlers persönlicher Gefangener“ war er bis zum Zusammenbruch des „3. Reiches“ und der „Alpenfestung“ neben dem Priesterbau in Dachau interniert, und in einer Nacht- und Nebel-Aktion am Zaun zum Krematorium am 9.4.1945 dort erschossen.

raete-muenchen.de/november-in-bayern-eisner-hitler-elser-pogrome

raete-muenchen.de/emil-julius-gumbel-statistik-der-feme-morde

baiern war frei – eine zeit lang

Revolution in Bayern

doch dann kam – mit Hilfe der Reichs-SPD und der Mehrheits-SPD in Bayern die geballte Kraft der Reaktion: Rechte „Freikorps“ sammelten die arbeitslosen Soldaten und führten sie – von den Arbeitgebern und Banken aus dem „Anti-Bolschewisten-Fonds“ mit 500 Millionen Reichsmark ausgestattet, von der geheimen Thule-Gesellschaft und ihrem Kampfbund im Hotel VierJahreszeiten in München informiert, gegen die Räterepublik in München.

zentralrat

In ganz Baiern – die Räte hatten das Y gestrichen, weil es eine modische Ausschmückung des Königs Ludwig I gewesen war – gab es ein Menge von lokalen und regionalen Räten, je nach Organisationsgrad von Arbeitern, Bauern und Soldaten.

Revolution in Bayern

Die gedruckte Form beim Kurt-Eisner-Verein in der Rosa-Luxemburg-Stiftung und die bessere Auflösung auf www.plenum-R.org

Dort gibt es auch die Berichte der ersten und zweiten Revolutionswerkstatt:

http://bayern.rosalux.de/fileadmin/ls_bayern/dokumente/Studienreihe37.pdf

Die Rache des reaktionären Bürgertums zu den Versuchen, eine Räte-Regierung der Arbeiter, Bauern und Soldaten durchzusetzen, war grausam, wie ihre Angst vor Enteignungen war:

Mehr als 1000 Tote, meist ungesetzlich ermordet, oft auf Denunziation, falschen Verdacht und aus Rache der Nachbarn hin, die Listen aus den Standesämtern sind immer noch nicht fertig erstellt … dazu Kriegsgefangene, Kolpingbrüder, Perlacher Handwerker …

Oskar Maria Graf schreibt als Fazit:

Wir sind Gefangene!

mit seinen Kriegserlebnissen und als Zeitzeuge, der nur kurz im Rat der geistigen arbeiter und dann im Zensur-Ausschuß mitarbeitete, wohl mit Ret Marut, dem späteren B.Traven und Herausgeber der Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“.

Auch in seinem nächsten Buch: „Einer gegen alle“ ist die Zeit und sein Erleben damals gut nach zu vollziehen, die Hysterie und Feindlichkeit, die Verfressenheit und die Moral, aber auch die nach-soldatischen Männer-Geschichten …

 

 

Erst Toller vor 125 Jahren geboren

Wer keine Kraft zum Traum hat, hat keine Kraft zum Leben. Ernst Toller

(1. Dez 1893 – 22. Mai 1939) Seine Mutter hatte sich um den gut 20-jährigenErnst Toller gesorgt, denn nachdem er etwas pazifistischer erwacht und krank aus dem Krieg zurück gekehrt war, hatte er in Heidelberg mitten im Krieg eine studentische Friedensgruppe gegründet, die dann verboten wurde.

Über seinen Professor Max Weber kam er in die Kreise der USPD, war für die Teilnahme am RüstungsarbeiterInnenstreik im Januar 1918 in Untersuchungshaft, und wieder durch seine Mutter aus den Fängen der Polizei in die Fänge der Doktoren gebracht worden.

Er hatte keinen Wahn, sondern gute Vorstellungen:

Seine Diskussionen mit Professor Max Weber und die Begegnungen mit den pazifistischen Sozialdemokraten, als Abgeordnete aus der SPD-Reichstags-Fraktion ausgeschlossen, die eine neue Gruppe der USPD aufbauten.

Kraepelin als Deutsch-Nationaler hatte die Kriegsgewinne im Kopf, wie seine königlichen Umkreise: Mit der Aufteilung Belgiens hätte Bayern einen eigenen Zugang zum Meer … auch Ludwig III. war nicht ganz sauber.

Am Montag im Goldenen Anker in der Schillerstraße 30

– heute wäre es die Nr. 34 – berichtete Kurt Eisner aus Redaktion und Zeitungen, von Briefen und Telegrammen der Bericht-Erstattenden der Redaktionen aus den verschiedenen Ländern, und die offene Runde besprach die Eindrücke.

Wahnsinn des Krieges

Seit vielen Jahren war die Rüstung gewachsen, und damit die Industrien, die unser Land bis heute beherrschen: Auch Krupp verdiente schon damals mit Waffenhandel auf beiden Seiten jeder Front.

Toller im Knast

Wahnsinn des Göttlichen

Die Kirchen gaben ihren göttlichen Segen dazu, denn die Waffen sollen ja Glück bringen. Zwar nicht denen, die hinter ihnen oder vor ihnen stehen, aber das ist den Obrigkeiten höchstens einen kurzen Besuch bei den Offizieren und Generalen im Hintergrund bei Braten, Schampus und Torte wert.

Das Erleben der Soldaten wurde zur Grundlage der Revolution: Was ist der Wert der Menschen?

Wahnsinn der Hierarchie

Schon die Bauernkriege fragten nach: „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“

In ihren „Sinn für Ordnung“ wurden die Kirchen noch schneller als die Gewerkschaften mit dem Stinnes-Legien-Pakt zum Feind der Revolution:

Sozialismus und der gerade sich entwickelnde Kommunismus glaubten zwar an die Geschichte der Gemeinschaftlichkeit, wie sie auch in der „Apostelgeschichte“ geschildert worden war, aber im Denken von oben, als Stellvertreter Gottes gab es nur die eine Wahrheit.

Der hatte sich fraglos der Kardinal Faulhaber verschrieben, auch als er sich voll Angst ausgerechnet im Kloster der Schwestern in der Nussbaumklinik versteckte. »Eine jüdische Mutter hat mich geboren,Deutschland hat mich genährt,Europa mich gebildet, meine Heimat ist die Erde, die Welt ist mein Vaterland«, bekannte der Dramatiker, Lyriker, Prosaist und Politiker Ernst Toller, der heute 125 Jahre alt geworden wäre http://bit.ly/Mn1848

Freigeist statt Geistfrei

Radikaler Gesinnungsethiker: Vor 125 Jahren wurde der Revolutionär und Dramatiker Ernst Toller geboren – Von Nick Brauns

Als einen »Dichterpartisanen« bezeichnete der Schriftsteller Ilja Ehrenburg den Dramatiker und Sozialisten Ernst Toller, dessen Geburtstag sich am heutigen Samstag zum 125. Mal jährt. Obwohl Toller ein »außergewöhnlich sanftmütiger« Mensch gewesen sei, habe er sich stets den Härten des Lebens gestellt. Die Verarbeitung dieses Widerspruchs zwischen Sanftmut und Härte, zwischen der Moral des einzelnen und dem Begehren der Masse, zwischen hehren Zielen und schmutzigen Mitteln durchzieht das Werk des erfolgreichsten Bühnenautors der Weimarer Republik.

www.jungewelt.de/artikel/344631.theater-oana-mua%C3%9F-sein-kohlrabi-herhalten.html

ZeitZeichen – 01.12.1893 – Geburtstag des Dramatikers Ernst Toller

Ernst TollerVon Claudia Friedrich auf www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/ernst-toller-100.html

Ernst Toller war ein gefeierter Dramatiker und ein gefürchteter Revolutionär. Während in Berlin seine Stücke Beifall ernteten, verbüßte er in Bayern eine fünfjährige Festungshaft wegen Hochverrats.

Ernst Toller war maßgeblich an der nur kurz währenden Münchner Räterepublik beteiligt, die im Frühling 1919 ein blutiges Ende fand.

Die erste Zeit der Weimarer Republik verbrachte der Schriftsteller hinter Gittern, schrieb in einer kleinen Zelle Theaterstücke wie „Die Wandlung“, „Masse Mensch“, „Hinkemann“, literarische Zeugnisse des deutschen Expressionismus.

Sein Tod im Mai 1939 erschütterte die Weltöffentlichkeit, war Ernst Toller doch populärer als etwa Bertolt Brecht. Heute ist er fast vergessen, zu Unrecht. www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/ernst-toller-100.html

Notes on Ernst Toller’s “Transformation” (die Wandlung) 1919

Toller’s play “Die Wandlung” or Transformation, was begun in 1917 when his experiences as a disillusioned soldier led him to question warfare. He wrote the play to record his own struggles in hopes of creating a “new man”. davidgrunwaldblog.wordpress.com/2018/12/01/notes-on-ernst-tollers-transformation-die-wandlung-1919

Wolf Biermann über Ernst Toller: Melancholie ist Hoffnung

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/plus184841226/Wolf-Biermann-Dankesrede-beim-Ernst-Toller-Preis.html hinter Bezahlschranke

Kunst erreicht mehr als den Verstand, sie verankert sein Gefühl. Sie gibt dem verankerten Gefühl geistige Legitimation.

Die Welt ist mein Vaterland

»Eine jüdische Mutter hat mich geboren, Deutschland hat mich genährt, Europa mich gebildet, meine Heimat ist die Erde, die Welt ist mein Vaterland«, bekannte der Dramatiker, Lyriker, Prosaist und Politiker Ernst Toller in seinem 1933 veröffentlichten Lebensbericht ›Eine Jugend in Deutschland. Ein Porträt zu seinem 125. Geburtstag von PETER MOHR.

titel-kulturmagazin.net/2018/12/01/menschen-zum-125-geburtstag-des-dramatikers-ernst-toller

http://joker-netz.raete-muenchen.de/Ernst_Toller

neue Seiten zur Räterepublik

Was nach 99 Jahren Revolutionen zu tun bleibt …

14tägige abendliche Gesprächsrunden: Revolutionsgespräch im „Feldcafe 5vor12″ Donnerstag, zwei-wöchig um 19h (Georgenschwaigstr. 26 – U2 Milbertshofen)

23.11. war: Biographie eines Münchner Revolutionärs: Der rote Kommandant von Giesing

Nach 4 Jahren an der Westfront kommt der Dachdecker Lorenz Schott im Dezember 1918 zurück zu seiner Familie nach Giesing. Die Schuldigen für die gewaltigen Opfer und Leiden scheinen entmachtet. Die Revolution der Soldaten im November, angeführt von Kurt Eisner, hat die Monarchie gestürzt und das Militär in Bayern verdrängt.

Doch die alten Mächte geben sich nicht geschlagen. Nach dem Mord an Kurt Eisner durch einen monarchistisch-burschenschaftlichen Offizier im Februar 1919, organisiert sich Schott in der neu gegründeten KPD, um die Revolution zu verteidigen. Er wird Obmann der KPD Sektion Giesing, dem lokalen Vollzugsorgan der Räterepublik.

Durch den Oberkommandierenden der bayerischen Roten Armee Rudolf Egelhofer wird ihm auch das militärische Kommando über die „rote Hochburg“ übertragen.

Ende April 1919 ziehen die Reste der alten Fronttruppen den Ring um München immer enger, um die Räterepublik zu zerschlagen. Lorenz Schott zieht noch einmal in die Schlacht.

Eine Reihe von offenen Gesprächen beginnen,

die von den Grundinformationen über Geschichten, Literatur, Personen und Folgen der Revolutionszeit 1917 und 1918, bis zu heutigen Ideen der Demokratie, Verhältnissen und Wünschen führen

Gesprächsabend ab Do 16.11. im Cafe „5 vor 12“ ab etwa 19h – Georgenschwaigstr. 26 – U2 Milbertshofen

Volxküche und Cafe „5 vor 12“

Konzept für eine Werkstatt interaktiver Geschichtsarbeit

nach hundert Jahren erscheint uns der damalige Europäische Krieg (Franz Marc) grausig weit entfernt, der Sozialismus in Sachzwänge und Interessen zerlegt und die Demokratie zum parlamentarischen Bingo und Rechenspiel verkommen. Der Freistaat wird als monarchisches Partei-Eigentum verwaltet, Republik(aner) waren was Reaktionäres …

Ich will noch mal neu anfangen, so wie vor 30 Jahren, 1988 als ein paar Leute aus der Idee, „was zur Rätezeit zu machen“, im Umkreis der Alternativen Liste im Nu viele KünstlerInnen und Literaten einsammelten, eine ganze Reihe von Veranstaltungen zu Kurt Eisner, Gustav Landauer, Ernst Toller und Erich wie Zenzl Mühsam machten, das Denken der damaligen Zeit und die Grausamkeiten der Niederschlagung aus der Nazi-Propaganda befreiten, die mit Illustrierten Zeitungen von Hitlers Leibfotografen Heinrich Hofmann und der Sieger-Geschichtsschreibung zugedeckt waren.

Manche hatten Bilder und Plakate aus den Archiven und Polizei-Unterlagen, andere die Literatur, weitere suchten und befragten Zeitzeugen … und so fand sich manche neue Kombination von Informationen, auch der Ausgewanderten und Geflohenen, die uns die Zeit anschaulich machen können. Volksredner starteten eine riesige anschauliche Demo, Dieter Hildebrand trug aus dem Auflagen-Bescheid des KVR / der Polizei vor.

„Die Bevölkerung begrüßt freudig das Ende des Krieges und der Militärherrschaft. Selbst konservative Kräfte wie die katholischen Arbeitervereine stellten sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen und arbeiteten an der Neuordnung mit. In den bayrischen Städten und Gemeinden wählen die Menschen in Volksversammlungen nach dem russischen Vorbild Arbeiter-, Bauern-, Soldatenräte oder auch Bürger- Hochschul- Lehrer- und Schülerräte, zunächst spontan, später nach den Vorgaben der neuen Regierung. Insgesamt soll es etwa 7 000 Räte in Bayern gegeben haben(2), von denen die meisten Bauernräte waren.“ (www.dietrich-grund.de/UnterhachingREVOLUTION.pdf)

Arbeitskreise heute

Ausstellungen, Frauen-Rätinnen, Wegmarken, Bibliografien, Internet-Redaktion, Blick auf die Rechten, Mitwirkungs-Feld im Aufbau: Einführung in Bloggen, kritischen Facebook-Umgang, andere Internet-Medien, Twittern, Radio-Beiträge, Recherche, www.raete-muenchen.de

Fertige Materialien Ausstellungen, Buchlisten und Kopien, Filme, Lesungen, Inszenierungen, Quellen und Archive, kommen auch aus anderen Städten dazu: Zu Felix Fechenbach gibt es ein Berufskolleg in Detmold mit Ausstellung, Ernst Toller ist in andern Ländern bekannter als in München,

Recherche-Kreise im Land In ganz Bayern gab es etwa 7000 Räte, denn in allen Gemeinden und Bezirken wurde gewählt, nicht immer so mogelnd wie in Unterhaching, wo durch den kleinen Aushang nur der alte Gemeinderat Bescheid wusste und sich selbst zum Arbeiter, Bauern- und Soldatenrat der neuen Zeit wählte. Das neue Wahlrecht für Frauen wirkte noch nicht …

Revolutionswerkstatt Januar- April 2017 in der Sendlinger Kulturschmiede wird wiederholt:

Die Dokumentation und unseren Revolutions-Stadtplan gibt es im Büro des Kurt-Eisner-Verein München, Westendstr. 19 Heute haben wir weitere Recherche-Möglichkeiten, die umfangreiche Quellen leicht zugänglich machen: Auch deine Fragen werden wichtig!

Fagestellungen und Forschungsvorhaben austauschen, Archiv-Begleitung, Ideen formulieren, anschauliche Berichte und Querverweise können von Studierenden und Schülern, Lehrkräften und Dozenten, Künstlern und Medien-Schaffenden

zum lustvollen Arbeiten mit Biografien und Situationen, bis zum Verständnis der Zusammenhänge von Krise und Faschismus, Religion und Autorität, Adel, Militarismus und Monarchie, Rüstungsgeschäften und Außen- wie Bündnispolitik, Banken- und Grundherrschaft … und Ständejustiz, wie sie z.B. Phlipp Loewenfeld für die Zeit nach der Niederschlagung beschreibt.

Im Hintergrund die lebensfrohe Industrie- und Spießerkritik des Wandervogel, der eine breite Freizeit- Natur- und Reise-Kultur gründete, gegen das elitäre Spießertum der saufenden und rauchenden Burschenschaften und ihrer alten Verbindungs-Herren,

die Anarchie der idealistischen Literaten von Red Marut / B. Traven und dem Ziegelbrenner, die Weltbühne und Kain, Naturisten und Ausdrucks- wie Nackt-TänzerInnen, Veganer, Kohlrabi-Apostel und Anthroposophen … die Pazifisten wie Kurt Eisner und Sara Sonja Lerch, Felix Fechenbach und Ernst Toller, ein bayrischer Matrose wie Rudi Egelhofer und die russischen Kriegsgefangenen …

mutiger Kampf der Frauen um ihre Rechte und gegen den Militarismus, patriarchale Bevormundung und rechtlose Ausbeutung des Gesinde …

die stolzen Ideen der Gleichheit und Menschenrechte, des gleichberechtigten Zusammenlebens und freier Beziehungsformen, wie wir sie heute wieder erklären und verteidigen müssen.

Alles ist möglich und Gemeinschaftliches wird gefördert Gespräche mit dem Kulturreferat, Stiftungen etc

plenumR zur Koordination und Orientierung

etwa alle sechs Wochen, gern auf Einladung an wechselnden öffentlichen Orten (ca 15-40 Personen) Berichte aus den Arbeitsgruppen, neue Verabredungen, Gäste aus anderen Projekten und Städten, …

Arbeits-Website für inoffizielles: www.raete-muenchen.de Mailingliste zu abonnieren plenumR auf plenum_r-subscribe@lists.riseup.net>

Räterepublik, Anarchismus, Revolutionen, Palmsonntagsputsch, Räteregierung, Revolutionsgespräche http://seniorakademiemuenchen.wikispaces.com/Revolution

Wer „was Deftiges“ bestellt, bekommt das Beste des Hauses und zahlt, was sie/er übrig hat, und dazu kannst du auch deine FreundInnen einladen, denn darum geht es den Leuten der Volxküche: Dass sich jedeR leisten kann, mit anderen zu essen, Kaffee, zu trinken und die Zeit zu genießen.

Zum Essen kommst du am Besten etwas früher, bevor es voll wird …

Am Mi 14.2.18 werden wir um 21h in der Gegensprechanlage

„Der kurze Frühling der Räterepublik“ mit den KollegInnen und das Autoren-Revolutionsgespräch in der Volxküche mit Simon Schaupp nachbesprechen: Und hoffentlich für Fragen an den Autor, der dann von Madrid zugeschaltet wird …

am 22.2. werde ich etwas zu den Wandervogel-Freunden

bei Hans Scholl und Willi Graf vorbereiten, am 23.2. werden wir vielleicht den Freaky Friday dort mit gemeinsamem Musizieren und revolutionären Singen ab 15 h sprengen …

im FeldCafe der Volxküche „5 vor 12“ gab es wieder einen Überblick zur Rätezeit,

Gegensprechanlage am 10.1.18

mit Cornelia Naumann haben wir ihr neues Buch besprochen, http://cornelia-naumann.de nachzuhören auf www.lora924.de/ Hörbar / Mediathek / Bunter Kessel oder direkt bei Gegensprechanlage Fritz Revolutionsgespraeche mit Cornelia Naumann und www.feldcafe.de 5vor12